Was ist Liebe und was ist Selbstaufgabe?

Was ist Liebe und was ist Selbstaufgabe?

Ich führe ziemlich viele Gespräche mit Dualseelenliebenden und erfahre somit teilweise den großen Kummer und was so manche Seele im „Namen der Liebe“ durchmacht. Das hat mich dazu bewogen, nochmal sehr ernst den Begriff „Liebe“ zu untersuchen. Ich fühle, es ist meine therapeutische Pflicht, hier deutlich Klartext zu reden, wenn ich spüre, dass manche sich auf einem Irrweg befinden und der Begriff Dualseelenliebe auch in eine gefährliche, selbstzerstörerische Richtung laufen kann:

Unterschied Liebe – Selbstaufgabe

Liebe ist, wenn ich mich in der Gegenwart des anderen spüre und auf meine Bedürfnisse achte.

Selbstaufgabe ist, wenn ich mir vom anderen Schaden zufügen lasse und das Verhalten des anderen im Namen der „Liebe“ entschuldige.
Die Dualseelenliebe oder die Liebe zu einem Seelenpartner ist etwas besonderes, etwas sehr schönes. Und diese Liebe macht es möglich, dass wir diesem Menschen immer wieder verzeihen.
Aber, und das ist jetzt ganz wichtig: sollten wir uns selbst, unsere Würde, unsere Achtung und unsere gesunden Grenzen dabei nie verlieren. Das „liebe deine Dualseele bedingungslos“ wird von einigen total missverstanden. Es verleitet sie, Verhaltensweisen vom anderen zu tolerieren, die weit über ein gesundes Maß hinaus gehen. Und das ist nicht gut! Wir können uns nicht tief verletzten, belügen oder betrügen lassen und es dann unter dem Deckmantel „Dualseelenliebe“ rosarot beschönigen.
Manche Verhaltensweise, Dualseele hin oder her, sind einfach so grenzüberschreitend, dass man sich überlegen sollte, ob man diese Beziehung nicht verlässt.

Grundrecht: die Würde des Menschen ist unantastbar

Du kannst es selbst testen und dich fragen: Was sagt meine Würde zu dem Verhalten dieses Menschen? Selbst im deutschen Grundgesetzt steht: die Würde eines Menschen ist unantastbar. Und du? Beachtest du dein absolutes Grundrecht? Oder wirfst du es einfach weg? Wenn deine Würde aufschreit, dann solltest du handeln und für deinen Selbstschutz sorgen. Und noch eine knallharte Wahrheit muss ich hier sagen: Du wirst seine/ihre Liebe nie gewinnen, indem du alles unter Schmerzen und Leid erduldest, verzeihst und dich dann auf die gleiche Weise wieder verletzen lässt.

„Wenn Frauen zu sehr lieben“

Hier ist ein Ausschnitt des Buches „wenn Frauen zu sehr lieben“. Lies dir das mal bitte durch und prüfe, ob du dich darin wieder erkennst… und lies auch weiter bis zu den Tipps, wie du da rauskommen kannst…. auch biete ich dir gerne meine professionelle, therapeutische Hilfe, um dieses Muster für dich zu heilen. „… diese Frauen „lieben zu sehr“. Zu sehr lieben bedeutet nicht für jemand anderen tief zu empfinden.

Es bedeutet:

  • sich für einen Menschen bis zur Selbstaufgabe verzehren,
  • diese Besessenheit mit Liebe gleichsetzten,
  • zu erkennen, dass sich dies auf Psyche und Körper negativ auswirkt und
  • trotzdem nicht loslassen können.

Es bedeutet den Grad der Liebe zu einem anderen Menschen am Grad der damit verbundenen Qualen zu messen. Die Psychotherapeutin Robin Norwood schreibt in ihrem berühmten Bestseller: „Wenn Frauen zu sehr lieben“: „Wenn er sich uns gegenüber launisch, gereizt oder gleichgültig verhält oder uns sogar demütigt und wir dieses Verhalten mit seiner unglücklichen Kindheit entschuldigen, dann lieben wir zu sehr. Wenn wir ein Selbsthilfebuch lesen und die Stellen unterstreichen, von denen wir glauben, dass sie i h m helfen können, dann lieben wir zu sehr. Wenn wir viele seiner Charakterzüge Einstellungen und Verhaltensweisen ablehnen, sie aber in dem Glauben hinnehmen, dass er sich uns zuliebe ändern wird, dann lieben wir zu sehr. Wenn die Beziehung zu einem Partner unser seelisches oder körperliches Wohlergehen gefährdet und wir ihn nicht verlassen, dann lieben wir zu sehr“. Katastrophenmänner zeichnen sich nicht nur dadurch aus, dass sie großen Schaden anrichten, sondern auch durch unsere Unfähigkeit, ihnen rechtzeitig den Abschied zu geben.

Warum gehen Frauen, die einen liebevollen Partner suchen scheinbar unvermeidlich immer wieder zerstörerische Beziehungen ein? Warum sind sie unfähig, einen Mann zu verlassen, der lieblos, emotional unzugänglich, terroristisch oder sogar gefährlich ist? Entgegen einer weitverbreiteten Meinung ist es nicht nur Schicksal, immer wieder an Alkoholiker, Schläger, Tyrannen, Spieler, Bindungsängstler oder fremde Ehemänner zu geraten.

Wenn Sie zu den Frauen zählen, die sich auf rätselhafte Weise immer wieder in Beziehungen finden, die vorsichtig formuliert unerquicklich sind, liegt die Lösung des Problems nicht bei den Männern, sondern in Ihnen. Melody Beatty schreibt in dem Buch „Die Sucht, gebraucht zu werden“ über ihre Gefühle als Frau, die zu sehr liebte: „Irgendwie hörte ich fast auf, ein eigenes Leben zu leben. Ich war so verstrickt in seine Probleme, dass ich keine Zeit und Energie hatte, meine eigenen zu erkennen und gar zu lösen. Ich fühlte mich als Opfer, verlor jegliche  Selbstachtung und wusste nicht einmal, wie das geschehen war. Manchmal hatte ich das Gefühl verrückt zu werden. Und ich dachte: Das ist alles nur seine Schuld. Wenn er mich besser behandeln würde, hätte ich keine Probleme.“ Eine Frau, die „zu sehr liebt“ steckt voller Angst. Unabhängig davon, wie sie nach außen wirkt, ist das Selbstvertrauen extrem niedrig . Ein unbewusster Teil ihrer Persönlichkeit glaubt, Glück nicht zu verdienen. Und so zieht sie instinktiv Männer an, die ihre schlechte Meinung über sich selbst bestätigen.

Wie entsteht solch ein zerstörerisches Muster bei der Partnerwahl?

Viele betroffene Frauen sind in Familien aufgewachsen, wo vermittelt wurde: „Was du denkst und fühlst ist unwichtig!“: Robin Norwood: “ Oft bleiben wir dann auch als Erwachsene in der Rolle, die wir als Kind hatten. Für Frauen, die zu sehr lieben bedeutet das, den Bedürfnissen des anderen zu entsprechen und ihre eigenen zu verleugnen. Vielleicht hat ein Elternteil gefehlt und sie mussten schon früh in der restlichen Familie Verantwortung übernehmen. Es kann auch sein, dass sie in einer aggressiven, lieblosen häuslichen Atmosphäre aufwuchsen, oder dass Alkohol, chronische Krankheiten oder andere Familienbelastungen eine Rolle spielten. Auf jeden Fall wurde ihrer Sehnsucht nach Liebe, Aufmerksamkeit und Geborgenheit nicht entsprochen. So lernten sie, sich mit den Bedürfnissen anderer zu beschäftigen und verdrängten, dass sie selbst große Angst und Schmerz litten.“ Frauen mit solchen Kindheitsgeschichten „brauchen“ Krisen, Stress, Aufruhr und Verzweiflung von außen, damit die tief verborgenen Kindheitstraumen nicht an die Oberfläche kommen. Paradoxerweise versuchen sie mit dem Schmerz, der durch die Katastrophenbeziehung entsteht, den in ihrem Inneren zu betäuben.

Wie können Frauen, die immer wieder an Horrormänner kommen, gesund werden?

Schritt 1: Gestehen Sie sich ehrlich ein, dass Sie dieses Problem haben und damit Unglück in ihrem Leben erzeugen. So ein Verhalten geht auf Kindheitsmuster zurück und kann verändert werden. Sagen Sie sich: “ Heute bin ich erwachsen und kein abhängiges Kind mehr. Ich habe die Macht mein Leben nach meinen Wünschen zu gestalten und Menschen, die mir schaden, daraus zu entfernen“.

Schritt 2: Die Liebe zu sich selbst ist die wichtigste Basis für eine gute Beziehung zu anderen. Diese Selbstliebe aus ihrem jahrelangen Dornröschenschlaf zu wecken sollte jetzt Ihre vordringlichste Aufgabe sein. Wenn Sie sich achten und respektieren werden Sie gewisse Dinge nicht dulden, Grenzen setzen und einen Schlussstrich unter eine seelisch oder körperlich krankmachende Situation ziehen. Sie verdienen es, eine gute Beziehung zu führen. Fehler und Schwächen hat jeder, trotzdem sind Sie wertvoll und wichtig. Egal wie es bisher war – Sie sind kein Opfer von Umständen, sondern können bestimmen, welche Menschen Sie in ihrem Leben haben wollen.

Schritt 3: Überlegen Sie, welche Art von Beziehung Sie wirklich führen wollen. Jede Frau hat andere Wünsche und Vorstellungen. Kennen Sie Ihre oder haben Sie bisher nur nach Regeln anderer gelebt? Natürlich besteht jede Partnerschaft auch aus Kompromissen. Machen Sie alle, die nötig sind, außer in zwei Bereichen: gute Kommunikation und gegenseitiges Verständnis. Reden können und ein gewisser seelischer Gleichklang sind für eine gute Beziehung unverzichtbar. Sie ersparen sich viel Leid, wenn Sie von Anfang an darauf achten und nicht in der ersten Begeisterung übersehen, dass der Göttliche nur monologisiert. Wenn Sie gerade in einer Beziehung stecken, die man nur als Katastrophe bezeichnen könnte und nicht weiter wissen, suchen Sie Hilfe. Das ist keine Schande. Eine gute Therapeutin, die verständnisvoll den Rücken stärkt und liebevoll durch seelische Tiefen führt, ist Goldes wert.

Eine Frau die von der Sucht nach Katastrophen genesen ist zeigt folgende Verhaltenweisen:

  1. Sie schätzt sich selbst in jeder Hinsicht: Persönlichkeit, Aussehen, Leistungen Wertvorstellungen.
  2. Sie fragt sich: „Ist diese Beziehung gut für mich? Ermöglicht sie es mir weiterzuwachsen und meine Persönlichkeit voll zu entfalten?“.
  3. Wenn ein Mann ihr schadet, ist sie fähig ihn aufzugeben, ohne durch Depression gänzlich handlungsunfähig zu werden. Sie hat auch Freundschaften gepflegt, die Krisen überstehen helfen.
  4. Ihre Gelassenheit schätzt sie mehr als alles Andere. Kämpfe, Dramen und das Chaos der Vergangenheit haben ihren Reiz für sie verloren. Sie schützt Gesundheit und Wohlbefinden.
  5. Sie weiß, dass eine erfüllende Beziehung nur zwischen Partnern bestehen kann, von denen jeder zu echter Nähe fähig ist. Sie wird daher bereits in einem frühen Bekanntschaftsstadium auf Verhaltensweisen und Einstellungen von ihm achten, die auf das Gegenteil schließen lassen.
  6. Sie ist in der Lage, auch alleine zu leben und nutzt diese Zeit, um sich selbst noch besser kennen zu lernen. So kann sie herauszufinden, welche Lebensform für sie die Richtige ist.
  7. SIE WEISS, DASS SIE ES WERT IST, ALLES ZU BEKOMMEN, WAS DAS LEBEN ZU BIETEN HAT

Liebe ist nicht gleichbedeutend mit Leid, obwohl viele von uns das glauben. Das Maß der Liebe an dem des Leides zu messen ist zerstörerisch und zeigt einen großen Mangel an Selbstliebe. Ein alter Spruch sagt: „Liebe macht die Wangen rot“. Erzeugt sie hingegen über weite Strecken Kummerfalten, geschwollene Augen und Dauerfrust, sollten Sie mit einer ehrlichen Innenschau beginnen, um herauszufinden, warum Sie sich das antun. Vielleicht ist es nötig, alte Wunden zu heilen oder verdrängte Kindheitsschmerzen endlich zu bewältigen. Andere Menschen können zweifellos zu unserem Glück beitragen, wirklicher innerer Friede kommt aber nur aus dem eigenen Herzen. Oder wie Melody Beatty sagt: „Es ist nicht leicht, Glück in sich selbst zu finden, aber unmöglich, es anderswo zu finden.“

LITERATUR: Robin Norwood: „Wenn Frauen zu sehr lieben“, Rowohltverlag

Marika-014-quadrat-e1421131381619In Liebe
Marika

Heilpraktikerin für Psychotherapie
Journey Practitioner

6 Kommentare zu “Was ist Liebe und was ist Selbstaufgabe?

Oh, danke, liebe Patricia, schön, dass es dir tut gut und ich freue mich über deine Anerkennung 🙂 Meiner Seele ist es wichtig, dass sie anderen auf dem Weg zu sich hilft.

ein unglaublich guter Artikel, ich kam mir gerade vor, als würde ich mein eigenes Leben lesen ….. und glücklicherweise bin ich offensichtlich von der Sucht nach Katastrophen genesen ……. Vielen vielen Dank

Danke, liebe Annette, toll, dass du es hinter dir hast. Ja, viele können sich darin wiedersehen, ist ja auch net schlimm, wenn man es erkennt. Nur wenn man immer so ne „du musst deine Dualseele bedingungslos Lieben“ Plüschdecke drüber legt, ohne mal genauer zu definieren, was es ist und wo gesunde Liebe aufhört, das geht gegen meine Natur, deshalb dieser recht krasse Artikel…

Liebe Marika,
endlich!!! Endlich habe ich deine Seite gefunden, die Dualseelen- Lieben nicht nur verherrlicht und als Deckmäntelchen für toxische Beziehungen benutzt
und die auch noch eindeutige Unterscheidungsmerkmale zwischen Liebe und ungesunder Selbstaufgabe aufzeigt! Einfach super!
Herzlichen Dank dafür, Schwester!
Das hat mich selber daran erinnert, dass ich auf meinem richtigen Weg bin (ich drohte schon wieder fast daran zu zweifeln 😉
und ich werde deine Seite auch gerne weiter empfehlen.
Liebe Grüße, Kerstin

Liebe Marika, gerade habe ich wieder durch „Zufall“ diesen Text gefunden, auch wenn er schon alt ist. -und finde ihn ganz Klasse geschrieben. Sehr präzise und ausführlich. Überhaupt stoße ich bei Problemen immer bzw. meistens auf Deine Texte und die helfen mir so sehr.
Ich bin noch nicht ganz durch, durch die Sucht nach Katastrophen, geb ich zu. 🙂 Aber ich denke auf dem guten Weg. Noch vor 5 Jahren habe ich erst auf mich und mein Bauchgefühl gehört, als ich in der Notaufnahme saß, wegen zu hohen Blutdruck, Schwindel etc.- und ich wusste genau, woran es lag. 🙂 Heute gehe ich zum Glück nicht mehr so weit. Danke Liebe Grüße Silvana

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